Ruckversicherung
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Ruckversicherung (Reassekuranz) findet statt, wenn die Deckung fur ein Einzelrisiko oder ein ganzes Portefeuille ganz oder teilweise unter den ursprunglichen oder neuen Bedingungen von einem Versicherer -auch 'Erstversicherer' genannt- (im allg. einer Versicherungsgesellschaft) auf einen anderen Versicherer (meist eine spezielle Ruckversicherungsgesellschaft) ubertragen (zediert) wird und zwar ohne Auflosung der ursprunglichen Versicherung. Dieser Vertrag wird also nicht geandert, und der erste Versicherer bleibt dem Versicherten alleine fur Zahlungen aus dem Versicherungsvertrag verpflichtet. Er kann aber Teilbetrage der zu zahlenden Versicherungssumme auf den Ruckversicherer abwalzen, soweit das versicherte Risiko in der Ruckversicherung gegeben war. Aus diesen Grunden bezeichnet man die Ruckversicherung auch als 'die Versicherung der Versicherer'.
Ruckversicherungen tragen dadurch, dass sie die Last des Risikos auf mehrere Versicherer verteilen, zur grosseren Stetigkeit und Sicherheit des Geschafts bei. Sie erlauben es dem Versicherer, auch fur grosse Risiken (wie Flugzeuge, Industriebetriebe oder auch die Haftpflicht ganzer Konzerne) die Deckung zu ubernehmen. Der Versicherte muss also nicht Vertrage mit verschiedenen Versicherungsunternehmen abschliessen. Viele grosse Konzerne verfugen uber eigene Versicherungsgesellschaften (Captives). Diese haben direkten Zugang zum Ruckversicherungsmarkt und konnen dort Teile ihres Risikoportefeuilles ruckversichern lassen. Allgemein unterscheidet man zwischen obligatorischer (vertraglicher) Ruckversicherung und fakultativer Ruckversicherung (Ruckversicherung auf Einzelfallbasis). Bei der obligatorischen Ruckversicherung werden ganze Versicherungsbestande eines Erstversicherers ruckversichert, die fakultative Ruckversicherung beschaftigt sich hingegen mit der Hoherdeckung eines einzelnen speziellen Risikos.
Der eigentliche Ruckversicherungsvertrag kann z.B. eine quotale Risikoteilung oder die Abnahme eines Risikos durch den Ruckversicherer ab einer bestimmten Schadenshohe vorsehen. Hier gibt es vielfaltige Vertragsformen; die wichtigsten sind die Quotenruckversicherung sowie die Ruckversicherung auf Basis eines sog. Schadenexzedenten.
Ruckversicherungen sind auf dem Gebiet der Seetransport-Assekuranz schon im 17. Jahrhundert in England nachzuweisen. Spater wurden sie auf viele andere Zweige des Versicherungswesens angewendet.
Heute sind sie nicht nur fur die immer grosseren Schadensersatzzahlungen nach Naturkatastrophen wie Erdbeben oder Wirbelsturmen von Bedeutung. Auch menschgemachte Katastrophen fuhren zu immer hoheren Schadensummen, da die Konzentration an Werten und Versicherungsdeckungen immer starker zunimmt. Seit den WTC-Anschlagen halt dieses Ereignis mit ca. 40 Mrd US-Dollar versicherten Schaden den Rekord als kostspieligstes Einzelereignis aller Zeiten. Erkrankungen durch Asbestexposition werden uber die Jahre ebenfalls versicherte Schaden in mindestens dieser Grossenordnung verursachen.
Ruckversicherungsgesellschaften gehoren heute zu den grossten Versicherungsgesellschaften uberhaupt, die Munchener Ruck ist die weltweit grosste Ruckversicherungsgesellschaft. Swiss Re ist der grosste Lebensruckversicherer. Der Weltmarkt ist in den letzten 10 Jahren zu einem Oligopol geworden.
z.T. aus: Meyers Konversationslexikon, 4. Auflage 1888/89
Weitere Auspragungen der Ruckversicherung sind die fakultative und die obligatorische Ruckversicherung.
Anmerkung: Die von Ruckversicherungen gezeichneten Vertrage sind nicht zu verwechseln mit dem Ruckversicherungsvertrag, einem Geheimabkommen zwischen dem Deutschen Reich und Russland.
Kategorie:Versicherungswesen
en:Reinsurance
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